Windows Installer und die Tabellen ServiceInstall und ServiceControl

Das Installationsprogramm von VCR.NET ist mit dem WiX Toolset 3.8 entwickelt, das letztlich Windows Installer Tabellen erstellt – auf einer insgesamt sehr eingängigen Philosophie. Zum Feintuning des Windows Dienstes VCR.NET Recording Service habe ich bisher Custom Actions verwendet und mir aber nun zum Ziel gesetzt, möglichst viel Standardfunktionalitäten des Windows Installers zu nutzen. Das hat zwar hier funktioniert, aber nur mit Haken und Ösen und nicht übertragbar auf größere Projekte. Trotzdem ein kleiner Erfahrungsbericht.

Die Installation des Dienstes erfolgt über die ServiceInstall Tabelle des Windows Installers – mit Hilfe des WiX Elementes ServiceInstall. An sich sehr einfach, einsichtig und elegant bis zu der Tatsache, dass die StartType Spalte eine Zahl ist und nicht dynamisch durch Properties des Installationsvorgangs berechnet werden kann. Ich möchte aber gerne dem Anwender die Möglichkeit geben, den Dienst auch mit manuellem Start (Vorgabe ist automatischer Start) zu installieren – etwa, wenn man sich nur den Quellcode anschauen möchte und nicht plötzlich nach dem nächsten Booten irgend einen Windows Dienst laufen haben will. Die scheinbar offizielle Lösung ist, für beide Varianten eigene Installer Komponenten mit unterschiedlichen Bedingungen zu hinterlegen. Zwar meckert dann die MSI Validierung (ICE30), was aber hier eine kontrollierte Warnung ist. Viel lästiger ist natürlich, dass man in der Tat eine doppelte Konfiguration hinterlegen muss – schade und fehleranfällig.

Auch wenn man das erst einmal als notwendiges Übel akzeptiert kommt direkt der nächste Rückschlag: auch in der ServiceControl Tabelle ist die Spalte Event wieder eine Konstante und nicht dynamisch während der Installation berechenbar ist. Ich möchte aber in der VCR.NET Installation auch erlauben, dass der Windows Dienst nach der Installation nicht automatisch gestartet wird. Natürlich kann man auch hier wieder den Weg mit den bedingten Komponenten gehen, dann sind es aber schon vier Kopien von quasi identischem Code.

Ich bin daher hier einen etwas anderen Weg gegangen: in der Installationssequenz wird die StartServices Aktion nur ausgeführt, wenn der Anwender dies auch tatsächlich wünscht. So kann in den Komponenten zum Dienst immer ein Startwunsch geäußert werden, der dann aber eventuell einfach nicht umgesetzt wird. Würde die Installation mehrere Dienste beinhalten und würde man grundsätzlich nur entscheiden, ob alle Dienste entweder gestartet werden oder halt nicht, so ist diese Lösung sicher tragbar.

Allerdings ist das auch der Knackpunkt. Eine Installation mit mehreren Diensten und individuellen Auswahlmöglichkeiten beider Optionen erzeugt eine ganze Menge Copy & Paste in der Installationsbeschreibung – egal, ob mit WiX erstellt oder anderweitig. Das wäre für mich dann schon der Punkt, an dem man über eine Custom Action nachdenken sollte. Im Nachhinein frage ich mich nur, nach welchen Kriterien wirklich entschieden wurde, ob eine Spalte einer Windows Installer Tabelle statisch oder dynamisch ist. Oft ist klar, dass potentiell mehrsprachige Spalten wie Anzeigename oder Beschreibung berechenbar sind. Die ganze Infrastruktur des Windows Installers wäre aber vermutlich viel mächtiger und vielseitiger, wenn alle Spalten dynamisch verfügbar wären. Aber da ist wohl nicht mehr dran zu rütteln…

So long

Jochen

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